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Automobil-Zulieferer bereitet sich auf ISO 50001 vor

Ein Hersteller von Pressteilen ebnet nach der Installation einer Wärmerückgewinnungs- und einer Photovoltaik-Anlage den Weg zu einem umfassenden Energie-Controlling auf Basis von Live-Daten – auch, um die strengen Nachhaltigkeits-Anforderungen der Automobilindustrie zu erfüllen.

Kunden fordern Nachhaltigkeit in der Produktion

Regelmäßig sind in den Fabrikgebäuden des metallverarbeitenden Betriebs dumpfe Schläge zu hören: Eine 200-Tonnen-Presse formt aus den auf Rollen angelieferten Blechsträngen Autotüren oder Halterungen, die in Fahrzeugen angebracht werden. „Ein äußerst energieintensives Geschäft“, sagt der Inhaber des 400-Mitarbeiter-Unternehmens. Vor mehreren Jahren bereits hat er Nachhaltigkeit zum Unternehmensziel erklärt – aus persönlichem Engagement für das Thema und weil seine Kunden zunehmend danach fragten. Abnehmer der Pressteile sind Automobilhersteller. Viele von ihnen haben das Wirtschaften mit Rücksicht auf Belange von Umwelt und Gesellschaft mittlerweile in ihren Unternehmensstrategien oder Corporate Social Responsibility-Richtlinien verankert und kaufen daher vorwiegend bei Zulieferern, die ihnen eine nachhaltige Produktionsweise zusichern und dies belegen können. EN 16247, die europäische Norm für Energieaudits, erfüllt der Zulieferer schon. Jetzt strebt er die Zertifizierung nach der Norm ISO 50001 an, die Standards für Energiemanagement-Systeme definiert.

Mit Wärmerückgewinnung 90 Prozent Heizöl gespart

Leicht umzusetzende Maßnahmen, um weniger Energie aus fossilen Quellen zu verbrauchen, hat das Unternehmen bereits verwirklicht. Im Jahr 2015 installierte der Automobilzulieferer eine Photovoltaik-Anlage, um einen Teil seines Stroms selbst zu erzeugen. „70 Prozent des Sonnenstroms nutzen wir in unseren Werken, den Rest speisen wir ins Netz ein“, sagt der Inhaber. Immense Einsparungen an fossiler Energie brachte eine weitere Maßnahme: eine Anlage zur Wärmerückgewinnung. An den laufenden Pressen entsteht viel Wärme. Die wird gezielt aufgenommen und in eine unlängst installierte Fußbodenheizung geleitet. Die Abwärme trägt einen großen Anteil dazu bei, die Produktions- und Verwaltungsräume zu heizen. Seit die Anlage zur Wärmerückgewinnung läuft, sank der Heizölverbrauch des Unternehmens um 90 Prozent. Als nächsten Schritt strebt der Firmeninhaber an, den Stromverbrauch zu senken. Aus diesem Grund beauftragte er Digital Energy Solutions mit einer Analyse der Lastgänge im Unternehmen.

Transparenz-Tool zeigt auffällig hohen nächtlichen Stromverbrauch

Zunächst wurde das Transparenz-Tool mit in den vergangenen Jahren erhobenen Daten gefüttert. Die Auswertung ergab, dass der Stromverbrauch der Fertigungsstätten auch nachts und am Wochenende sehr hoch ist – höher, als er nach Einschätzung der Energieexperten von Digital Energy Solutions bei einem Betrieb dieser Größe sein sollte. Gemeinsam mit dem Inhaber machten sich die Kundenberater auf die Suche und fanden schließlich die Ursache: Der Druckluftgenerator für die Pressen lief bisher auch außerhalb der Produktionszeiten. Die Maschine wird seither abgeschaltet, wenn die Pressen nicht in Betrieb sind. „Die Behebung der Ursache war letztlich simpel, doch erst durch die Datenanalyse kamen wir dieser Energievergeudung überhaupt auf die Spur“, sagt der Inhaber. Um noch mehr Stromfresser zu identifizieren und schnell reagieren zu können, wird das Zulieferunternehmen nach der anfänglichen Auswertung historischer Daten künftig die dauerhafte Analyse von Live-Daten durch das Transparenz-Tool nutzen.

Energie-Controlling: SMS-Alarm bei Auffälligkeiten

Damit strebt das Unternehmen ein umfassendes Energie-Controlling an. Entscheidendes Hilfsmittel hierfür wird das Smart Energy Backbone sein, die von Digital Energy Solutions genutzte IT-Plattform zur Analyse von Energiedaten und zur Steuerung von Energieverbrauchern und -erzeugern des Kunden. Hier lassen sich unter anderem Schwellenwerte für bestimmte Energiekennzahlen festlegen. Nähert sich der tatsächlich an bestimmten Messstellen erfasste Wert dieser Grenze , erhält der Firmeninhaber eine Kurzmitteilung auf sein Mobiltelefon. Auf diese Weise behält die Unternehmensleitung im Blick, wie oft beispielsweise Lastspitzen auftreten. Außerdem lässt sich mit dem Transparenz-Tool des Smart Energy Backbone dauerhaft überwachen, ob die Grundlast beim Energieverbrauch im erwartbaren Rahmen bleibt. Ausgehend von Erfahrungswerten aus der Vergangenheit wird definiert, wie hoch die Last sein sollte. Dieser Planwert wird permanent mit der aktuellen Last abgeglichen.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in Einklang bringen

Die vom Smart Energy Backbone erstellten Echtzeit-Auswertungen, die der Inhaber des Metallbetriebs über das Transparenz-Tool an seinem PC auslesen kann, werden ihm künftig die Grundlage für weitergehende Entscheidungen im Energiemanagement liefern. Das IT-System kann beispielsweise ausrechnen, ob sich an einzelnen Standorten der Betrieb von Photovoltaikanlagen rechnet Digital Energy Solutions betrachtet bei seinen Analysen und Dienstleistungen immer das sogenannte Energiewirtschaftliche Dreieck aus Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Denn die Entscheidung liegt letzlich immer beim Kunden. So wird gewährleistet, dass Umweltfreundlichkeit nicht zu Lasten hoher Qualität und Betriebssicherheit in der Fertigung gehen. Für den Inhaber des Pressteile-Herstellers steht als nächstes die Zertifizierung nach ISO 50001 an. Das Transparenz-Tool liefert ihm hierfür Auswertungen der Energieflüsse in dem für die Zertifizierung nötigen Format. „Das erleichtert unsere Vorarbeiten sehr“, sagt der Inhaber.